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08 02 | '17

Glück.

Glück [das]: Die Zeichenfeder über das Papier kratzen hören, während der Atem langsam der Lunge entströmt und das Papier mit sanftem Tau überzieht.

07 02 | '17

Ohr.

Gestern fühlte sich das Zeichnen sinnlos an. "Was ist los?", fragte ich.

Es drehte sich zu mir um, warf mir einen intensiven Blick zu und sagte: "Du sagst mir immer, was du schon weisst. Wann hörst du mir zu?"

Ich setzte mich hin und lauschte.

05 02 | '17

Das Nur.

Ein Strich auf einem Blatt Papier.
"Das ist nur ein Strich."
"Das ist ein Strich. Das genügt."

 

Das Nur trottete missmutig davon.

04 02 | '17

Erste Striche

Das Hier und Jetzt. Ich setze oben mit der Feder an. Ziehe ausatmend einen Strich bis ganz nach unten. Das Kratzen der Feder auf Papier fällt mir erst beim elften Strich auf. Mein verspannter Kiefer beim dreizehnten. Immer und immer wieder beginne ich von Neuem. Die Zeichnung ist nicht wichtig. Das ist ein Abfallprodukt.

03 02 | '17

Künstlichkeit vs. Natürlichkeit

Roland Barthes' "Mythen des Alltags" thematisiert in einem Kapitel das Thema Natürlichkeit und Künstlichkeit. Er erzählt süffisant von den immerschwitzenden Römern mit den immergleichen Stirnfransen, wie sie in Filmen dargestellt werden. Zeichen, denen es sowohl an einer Natürlichkeit wie auch einer übertriebenen Künstlichkeit fehlt.

30 01 | '17

Scheitern lernen

Mir fiel auf, dass mein Projekt seit einem halben Jahr vor sich hin mäandriert – es wechselt von einem Medium ins nächste und franst an den Rändern immer mehr aus. "Du kannst das die nächsten dreissig Jahre so weitermachen", dachte ich.

 

Und nie fertig werden.

08 01 | '17

Ver ° | wirb | lungen

Ausgangs | punkt, der:  "Bei der Geschwindigkeit könnten die über die Stereoanlage meiner Tochter fahren ohne was zu hören." (Charlie Davenport)

 

Über stählerne Schienen gleiten die Lungen | züge durchs Mesopelagial

—◡◡ denkt das Sonar,

Skylla und Charybdis an der Wasser | ober | fläche.

Der Lungen | zug hält still – ein Wal kreuzt seinen Weg. Der Atemstrom setzt wieder ein, wild flirrt der Schnee | sturm im Halbgrau der Wellen. Ein Seepferdchen zirbelt um das Gleis.

 

Das Sonar, es träumt: —◡◡ˌ—◡◡ˌ— ‖ —◡◡ˌ—◡◡ˌ—

 

Damm, da-da, damm, da-da, damm vibriert das Hagel.Trommelfell unter dem Einschlag der Wellen, die Fühler verzwirbelt von der See. Der Hammer donnert auf dem Amboss. Der Schnee | sturm bleibt zurück. Das Grau hüllt sich in eine dunklere Umarmung. Stetig sinkt der Lungen | zug ins Hadopelagial. Er quert die Welt der Überriesen hin zu den weißen Zwergen. Das Schwarz füllt seine Flügel mit samtener Taubheit. Die Zwillingswelt erstarrt. Die Schienen | enden ragen in die Leere, der Lungen | zug entgleist...

 

Das Sonar verstummt, das Trommelfell steht still, die Wellen sind verebbt. Und sanft kracht der Lungen | zug auf den Gipfel des 5000 Meter hochBerges. Gestein poltert herab. Das Gebirge ent | faltet sich, Flächen schieben sich hinab und tragen ihn behutsam hin zum Grund.

Nur ein Duzend weisser Zwerge begleitet ihn, erhellen schwach den Raum. Er durchstösst die Oberfläche, das Glass zerbricht, es folgt der freie Fall.

Die Lungen breiten ihre Flügel aus. Ein kühler Wind weht hinein, erzählt ihr von der Ferne.

Und das Sonar? Es denkt: —◡◡◡◡——

 

(Dieser Text ist im Entstehen begriffen und wird einige Mutationen durchlaufen. So, wie dieser Blog sein Gesicht ständig wandelt, neue Frisuren ausprobiert. Unfertiges, Versatzstücke, Probierblätze wie aus dem Handarbeitsunterricht, darum soll es hier künftig gehen. Wer sagt, dass man einen Blogartikel nicht mehrfach schreiben, nicht mehrfach lesen kann?)

01 01 | '17

Der liebe Kühlschrank

Manchmal wache ich nachts auf und ärgere mich über den Vollidioten, der draussen den Motor seines Wagens laufen lässt. Bis ich feststelle: das ist kein Auto, das ist ein Kühlschrank. Manchmal beschliesst er plötzlich, seine Gefrier-Fähigkeiten nicht mehr nur auf das Gefrierfach zu beschränken, sondern auf den gesamten Inhalt auszudehnen.

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