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02 10 | '13

Das Gutenberg Museum in Freiburg

Holzdruckbuchstaben

Mein Tag beginnt in einem Bahnhofscafé in Fribourg. Ich bestelle im Tonfall einer Zwölfjährigen, wohl wissend, wie grässlich unbeholfen mein Französisch klingt. "Bonjour, j'aimerais un café creme". Die Bedienung wirft mir einen Blick zu, aus dem eine gewisse Resignation spricht. Diese Deutschschweizer schon wieder! Die werden es wohl nie lernen! 

"'jour, un café, s'il vous plait.", tönt hinter mir eine sonore Bassstimme - cool, lässig, einfach.
In der Ecke stehen zwei Glücksspielautomaten. Ob ich mein Glück versuchen sollte?
Der Kaffee haut mich um. San Bitter ist ein Dreck dagegen. Kaffee ist ja allgemein immer so an der Schwelle zwischen "mh, köstlicher Kaffeegenuss" und "bäh, ist das bitter!". Der hier rangiert definitiv eher an der hinteren Grenze der Skala. Das Croissant ist nur mässig knusprig. Einen Luxusladen habe ich mir hier definitiv nicht ausgesucht. Und das Fazit am Ende? Der amerikanische etwas überstrapazierte Ausspruch: Naja, wenigstens ist der Kaffee heiss. 
 
Abmarsch in Richtung Gutenbergmuseum. Die Stadt Fribourg ist echt schön. Die wäre sicherlich einen zweiten oder dritten Blick wert. Warten im Nieselregen. Das Museum macht heute extra für uns auf.
 
Viel Arbeit für zwei kleine Zeilen
 
Eine Viertelstunde später stehe ich schon am Tisch und fische die Buchstaben aus dem Setzkasten. Hier hat es haufenweise a's und b's - nur leider nicht in alphabetischer Reihenfolge. Das bedeutet, dass ich jedes Mal den Übersichtsplan studieren muss. Gewisse Leute scheinen beim "Memory" kräftig geübt zu haben, denn sie haben innerhalb von kürzester Zeit intus, welcher Buchstabe sich wo befindet. Während ich zum dritten Mal das e an der falschen Stelle suche.
 
Die Buchstaben lege ich in ein Gehäuse, das die Breite der Textzeile vorgibt. Zeile fertig. Metallplättchen dazwischen, nächste Zeile setzen. Als ich höre, dass ein guter Setzer eine ganze Buchseite in einer Stunde setzen kann, fällt mir die Kinnlade runter. Selbst wenn man weiss, wo die Buchstaben sind, hat man mit diesen dünnen Bleistängelchen immer noch ein Gefummel. So langsam begreife ich, was echtes "Handwerk" bedeutet. Und ich bewundere die Leute dafür. Und frage mich ein bisschen, ob es wirklich die richtige Idee war, so viele handwerkliche Tätigkeiten an die Computer abzugeben.
 
Dann die Buchstaben mit einer Schnur zusammen binden. Und zwar richtig fest. Wenn sie jetzt auseinander fallen, geht die Klauberei von vorne los. Dann auf eine Metallplatte (den Schlitten) - ein Transport in freier Luft wäre viel zu gefährlich - und von dort auf die Druckerpresse. Dann geht es ganz schnell. Der Museumsmann befestigt meine Buchstaben magnetisch an der Presse. Blatt einlegen, einmal die Kurbel drehen, Blatt rausnehmen - fertig! Meine ersten selbst geschriebenen Wörter! 
 
Aber was ist das? Das r steht Kopf! Ein Fehler. Das hätte bei einer Gesellenprüfung eine halbe Note Abzug gegeben.
 
Anschliessend geht es ans Hände-Schrubben. Blei ist nicht gerade für seine gesundheitsfördernde Wirkung bekannt (früher erkrankten viele aufgrund einer Bleivergiftung).
 
Ich hab dazu ein kleines Video gedreht. Leider müsst ihr es euch im Vollbildmodus ansehen, um einen halbwegs guten Einblick zu bekommen, weil ich zwischen Quer- und Hochformat gewechselt habe. Die Musik ist von hier. www.gutenbergmuseum.ch
 
 
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